Awra: was bedeckt sein muss
Die Körperteile, die bedeckt sein müssen. Der Umfang hängt davon ab, wer anwesend ist.
Awra bezeichnet die Körperteile, die vor anderen und im Gebet bedeckt sein müssen. Der Umfang ist nicht überall gleich: Er hängt davon ab, wer anwesend ist, und ob gebetet wird.
Woher das Wort kommt
Awra kommt von einer Wurzel, die Blöße und Schutzbedürftigkeit meint. Dasselbe Wort steht im Quran für eine ungeschützte Stelle. Es geht also weniger um Scham als um etwas, das der Bedeckung anvertraut ist.
Im Alltag
Für den Mann gilt nach überwiegender Auffassung der Bereich von Nabel bis Knie. Praktisch heißt das: Auch beim Sport oder in der Sauna gehört eine Bedeckung dazu, und im Gebet reicht eine Hose ohne Oberteil nach mehreren Rechtsschulen nicht aus, weil die Schultern bedeckt sein sollen.
Für die Frau gilt vor fremden Männern nach der Auffassung der Mehrheit der Körper mit Ausnahme von Gesicht und Händen. Vor anderen Frauen und vor engen Verwandten ist der Umfang deutlich geringer. Im Gebet gilt dasselbe wie vor fremden Männern, auch wenn sie allein betet; die Füße werden dabei unterschiedlich beurteilt.
In Deutschland stellt sich die Frage besonders beim Schulsport, beim Schwimmen und im Krankenhaus. Für alle drei Bereiche gibt es inzwischen praktische Lösungen, und Gemeinden helfen bei der Verständigung mit Schule oder Klinik.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Hidschab als Kleidungsstück. Awra ist die Regel darüber, was bedeckt sein soll. Das Kopftuch ist eine der Formen, in denen das umgesetzt wird.
Häufige Fragen
Gilt die Awra auch allein zuhause? Im Gebet ja. Sonst ist der Umfang deutlich geringer; völlige Blöße ohne Anlass wird aber auch dort nicht empfohlen.
Was gilt beim Arztbesuch? Die Behandlung geht vor. Bei einer medizinischen Notwendigkeit wird nur so weit entblößt, wie es die Untersuchung erfordert.
Warum werden die Grenzen unterschiedlich angegeben? Weil die Rechtsschulen die Belege unterschiedlich gewichten. Für den Alltag folgt man dem, was in der eigenen Gemeinde gelehrt wird.
Quellen
- Zur Bedeckung im Gebet, überliefert von Aischa: Sunan Abi Dawud 641.
- Die Anweisung zur Kleidung an der Gebetsstätte: Quran, Sure 7, Vers 31.
Verwandte Begriffe: Salah, Taharah, Haid und Nifas.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.