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Islamische Bestattung bezahlen, wenn kein Geld da ist

Eine islamische Bestattung kostet ab 4.000 Euro und das Geld wird in zwei Tagen gebraucht. Was die Ämter zahlen, wann Einäscherung droht und wie die Community trägt.

Kareem C.
18 Min. Lesezeit
Islamisches Grabfeld auf einem deutschen Friedhof, dunkle Grabsteine mit Halbmond und arabischer Inschrift, umgeben von Buchsbaumhecken und Blumen
Islamische Grabfelder gibt es inzwischen auf den meisten großen Friedhöfen in Deutschland.

Bismillahir-Rahmanir-Rahim.

Wenn ein Mensch stirbt, den man liebt, ist Geld das Letzte, woran man denken möchte. Trotzdem steht die Frage sofort im Raum. Auf commonsplace haben Familien für eine islamische Bestattung zwischen 500 und 6.500 Euro gesammelt, im Mittel 3.500 Euro. Das ist nicht der volle Preis einer Bestattung, sondern der Teil, den die Familie allein nicht aufbringen konnte. Und gebraucht wird er schnell, weil der Islam eine zügige Beisetzung verlangt.

Falls du das gerade liest, weil du jemanden verloren hast: Möge Allah dem Verstorbenen barmherzig sein und dir Geduld schenken.

Dieser Text richtet sich an muslimische Familien und Gemeinden in Deutschland. Er zeigt, was eine Bestattung kostet, was passiert, wenn niemand rechtzeitig handelt, warum die Ämter in dieser Frist selten helfen, und was wir aus 25 ausgewerteten Bestattungssammlungen über den Weg über die Gemeinschaft gelernt haben.

Die ersten Stunden

Wenn gerade jemand gestorben ist und du nicht weißt, wo du anfangen sollst, sind das die vier Schritte, die keinen Aufschub dulden. Alles Weitere in diesem Text erklärt sie.

  • Ordnungsamt anrufen und angeben, dass der Verstorbene Muslim war. Danach dasselbe schriftlich per E-Mail, mit ausdrücklichem Widerspruch gegen eine Feuerbestattung.
  • Einen Bestatter beauftragen, der islamische Bestattungen kennt. Falls ihr keinen kennt, meldet euch bei uns, bevor ihr unterschreibt.
  • Kostenvoranschlag schriftlich einholen, aufgeschlüsselt nach Posten. Ohne Zahl lässt sich weder ein Antrag stellen noch um Hilfe bitten.
  • Eine verantwortliche Person benennen, die nicht zu den engsten Angehörigen gehört, und noch am selben Tag die Sammlung starten.

Was zusammenkommt

Die Summe setzt sich aus mehreren Posten zusammen, die getrennt in Rechnung gestellt werden. Wer nur den Preis des Bestatters kennt, unterschätzt das Ganze meist deutlich.

Posten Größenordnung
Bestatter, Sarg, Waschung, Transport im Inland 1.500 bis 3.000 Euro
Grabstelle und Friedhofsgebühren 1.000 bis 2.500 Euro
Trauerfeier, Grabstein, Nebenkosten 500 bis 2.000 Euro
Überführung ins Herkunftsland (optional) 2.000 bis 5.000 Euro

Diese Spannen sind Erfahrungswerte aus Kostenvoranschlägen islamischer Bestattungsinstitute, keine erhobene Statistik. Friedhofsgebühren sind kommunal geregelt und können in derselben Stadt je nach Grabart um das Doppelte auseinanderliegen. Der verbindliche Preis steht nur in eurem eigenen Kostenvoranschlag.

Balkengrafik der vier Kostenposten einer islamischen Bestattung mit ihren üblichen Spannen
Die vier Posten und ihre üblichen Spannen. Eigene Darstellung nach Kostenvoranschlägen islamischer Bestattungsinstitute.

Die Verbraucherinitiative Aeternitas beziffert eine Erdbestattung in Deutschland auf durchschnittlich 5.000 bis 6.000 Euro ohne Grabgestaltung und auf 7.000 bis 8.000 Euro mit Grabstein und Bepflanzung. Eine islamische Bestattung liegt am unteren Rand, weil Trauerfeier, Blumenschmuck und aufwendiger Grabstein entfallen. Bei einer Überführung hängt der Preis stark am Zielland. In die Türkei sind es rund 2.000 Euro, weil dort keine Grabgebühren anfallen. Weiter entfernte Ziele liegen darüber.

Die Ruhefrist auf deutschen Friedhöfen beträgt je nach Bundesland und Friedhofssatzung zwischen 20 und 30 Jahren. Danach wird das Grab neu vergeben, außer die Familie hat ein Wahlgrab und verlängert. Für viele Familien ist das ein Grund, sich für eine Überführung zu entscheiden. Ein großer Teil der muslimischen Zugewanderten wird bis heute im Herkunftsland beigesetzt. Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht, weil Überführungen nirgends zentral erfasst werden.

Muslimisches Gräberfeld auf dem Waldfriedhof Darmstadt, schlichte Grabsteine in Reihen, nach Mekka ausgerichtet
Muslimisches Gräberfeld auf dem Waldfriedhof Darmstadt. Foto: Stefan Oemisch, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Das Risiko, über das niemand spricht: Einäscherung

Für Muslime ist die Feuerbestattung nicht zulässig. Genau sie ist aber in einem bestimmten Fall der behördliche Regelfall, und dieser Fall trifft ausgerechnet die Verletzlichsten: Menschen, die allein sterben, Konvertiten ohne muslimische Familie, Obdachlose, Alleinstehende ohne Angehörige in Deutschland.

Man muss zwei Verfahren auseinanderhalten, weil sie völlig unterschiedlich ausgehen.

Fall 1: Angehörige sind da, aber das Geld fehlt. Dann läuft es über § 74 SGB XII. Hier wird die gewünschte Bestattungsart in aller Regel berücksichtigt, eine Erdbestattung ist also möglich. Das Amt zahlt aber nur die erforderlichen Kosten einer sehr einfachen Bestattung. Waschung durch die Gemeinde, Kafn, Totengebet, Grabstein und Überführung sind darin meist nicht enthalten.

Fall 2: Niemand ist erreichbar oder niemand handelt. Dann ordnet die Behörde die Bestattung von Amts wegen an. Wie sie dabei vorgeht, steht in den Bestattungsgesetzen der sechzehn Bundesländer, und die sind nicht gleich. Gemeinsam ist ihnen, dass ein bekannter Wille des Verstorbenen zu beachten ist. Ist über den Verstorbenen dagegen nichts bekannt, wählen die Ämter in der Praxis überwiegend die Feuerbestattung, weil sie günstiger ist und keine Grabpflege nach sich zieht. Die Asche wird dann anonym beigesetzt.

Ob die Behörde im Zweifel einäschern darf, richtet sich nach Landesrecht und der örtlichen Praxis. Manche Länder schreiben ausdrücklich vor, religiöse Bindungen zu berücksichtigen, andere schweigen dazu. Verlasst euch nicht darauf, dass euer Bundesland zu den strengeren gehört. Der einzige verlässliche Schutz ist, dass die Religionszugehörigkeit in der Akte steht.

Daraus folgt das Wichtigste an diesem ganzen Text: Die Religionszugehörigkeit muss aktenkundig werden, und zwar sofort. Wer als Gemeinde, Freund oder Nachbar vom Tod eines Muslims erfährt, ruft beim zuständigen Ordnungsamt an, gibt an, dass der Verstorbene Muslim war, und widerspricht schriftlich der Feuerbestattung. Ein Anruf und eine E-Mail. Das kostet nichts und ändert alles.

Auf commonsplace lässt sich nachlesen, wie real das ist. Im Fall von Bruder Kassim F., der allein in seiner Wohnung tot aufgefunden wurde, stand im Aufruf wörtlich: Frist läuft ab, sonst droht Einäscherung durch das Ordnungsamt. Im Fall einer alleinerziehenden Mutter aus Kerpen lautete der Titel des Projekts: droht eingeäschert zu werden.

Warum die Zeit gegen jeden Antrag arbeitet

Hier liegt das eigentliche Problem, und es hat nichts mit fehlendem Geld zu tun, sondern mit dem Kalender.

Der Druck kommt aus zwei Richtungen. Nach islamischem Verständnis soll die Beisetzung so schnell wie möglich stattfinden, in der Praxis innerhalb von zwei bis drei Tagen. Das deutsche Recht setzt daneben eine eigene Frist: Die Bestattungsgesetze der Länder verlangen die Beisetzung binnen weniger Tage, in Nordrhein-Westfalen innerhalb von zehn Tagen, in Bayern innerhalb von acht Tagen, wobei Samstage, Sonn- und Feiertage dort nicht mitzählen. Prüft, was in eurem Bundesland gilt. Die religiöse Frist ist in aller Regel die engere von beiden.

Dazu kommt die Praxis der Bestatter. Nach unserer Erfahrung aus der Begleitung solcher Fälle verlangen sie bei Familien ohne bestehende Vorsorge in aller Regel Vorkasse oder eine Kostenzusage, bevor sie die Waschung vorbereiten. Eine Pflicht dazu gibt es nicht, verhandeln lässt sich das durchaus. Verlassen sollte man sich darauf nicht.

Und in dieses Fenster passt kein einziger der klassischen Wege.

Weg Wie lange es dauert Was am Ende gedeckt ist
Antrag nach § 74 SGB XII mehrere Wochen bis Monate nur eine sehr einfache Bestattung, keine Überführung
Sterbegeldversicherung ein bis vier Wochen nach Einreichung die vereinbarte Summe, falls überhaupt eine besteht
Beihilfe vom Arbeitgeber Wochen, oft mit Nachweisen ein Teilbetrag, sehr unterschiedlich
Sammlung in der Gemeinschaft Stunden bis Wochen, siehe unten im Regelfall die volle Summe

Die Bearbeitungszeiten in den ersten drei Zeilen sind unsere Einschätzung aus der Begleitung von Familien und aus den Angaben der Ämter selbst. Sie sind keine amtliche Statistik, und ein zügig bearbeiteter Antrag kann schneller gehen. Die Zeile zur Sammlung stützt sich auf die eigenen Zahlen im nächsten Abschnitt.

Das ist kein Argument gegen die Anträge. Stell sie, sie können später einen Teil zurückholen. Aber verlass dich in diesen Tagen nicht darauf. Wer wartet, bis ein Amt entschieden hat, hat die religiöse Frist längst verpasst.

Was 25 Bestattungssammlungen zeigen

Wir haben alle Bestattungssammlungen ausgewertet, die bisher über commonsplace gelaufen sind: 25 Fälle, in denen es um Bestattung, Beisetzung oder Überführung eines Verstorbenen ging. Zusammen kamen dabei 75.525 Euro aus 3.338 einzelnen Spenden zusammen. Das ist keine Umfrage und keine Hochrechnung, sondern das, was in unserer eigenen Datenbank steht.

Was wir gemessen haben Ergebnis über alle 25 Sammlungen
Benötigte Summe 500 bis 6.514 Euro, in der Mitte 3.500 Euro
Spenden je Sammlung in der Mitte 98, im größten Fall 337
Höhe einer einzelnen Spende in der Mitte 23 Euro, je nach Sammlung 16 bis 80 Euro
Von der Freischaltung bis zum Abschluss ein Viertel unter 28 Stunden, in der Mitte rund 9 Tage

Stand: 15. August 2026, ausgewertet über die Projektdatenbank von commonsplace. Gezählt werden Spenden, nicht Spender; eine Person kann mehrfach geben. „In der Mitte“ meint den Median: die Hälfte der Fälle liegt darüber, die Hälfte darunter. „Ziel erreicht“ heißt, dass die eingegangene Summe die Zielsumme erreicht oder übersteigt. Nicht mitgezählt sind Sammlungen, die zum Stichtag noch liefen, sowie reine Sadaqa-Jariya-Projekte im Gedenken an Verstorbene, etwa ein Brunnen, weil dort keine Bestattung zu bezahlen war. Reichweite und Weiterleitungen erheben wir nicht.

Säulendiagramm zur Dauer von 25 Bestattungssammlungen auf commonsplace, dazu drei Kennzahlen
Eigene Auswertung aller 25 Bestattungssammlungen auf commonsplace, Stand 15. August 2026.

Vier Dinge fallen an diesen Zahlen auf.

Getragen wird das von vielen kleinen Beiträgen. Nicht einzelne Großspender bringen so eine Summe zusammen, sondern rund hundert Menschen je Fall mit gut zwanzig Euro. Wer keinen großen Verteiler hat, braucht deshalb keine reichen Bekannten, sondern viele.

Die Streuung bei der Geschwindigkeit ist enorm. Die schnellste Sammlung war nach gut drei Stunden durch, ein Viertel aller Fälle innerhalb von anderthalb Tagen, acht von 25 innerhalb von zwei Tagen. Ein anderes Viertel brauchte über einen Monat. Wer also plant, sollte nicht damit rechnen, dass es in jedem Fall über Nacht geht.

Die Höhe der Summe erklärt die Geschwindigkeit nicht. Unter den schnellsten Sammlungen sind Fälle mit vierstelligen Zielen ebenso wie mit niedrigen. Woran es sonst liegt, können wir nicht sagen: Wir sehen in unseren Daten die Spenden, nicht die Wege dorthin, nicht die Reichweite und nicht die Größe des Kreises dahinter.

Der Fall, der am schlechtesten lief, war eine Überführung. Ziel 5.000 Euro, zusammengekommen sind 269 Euro von 17 Spenden, und das über Monate. Es ist die einzige Sammlung in dieser Auswertung, die ihr Ziel deutlich verfehlt hat, und die einzige mit weniger als zwanzig Spenden. Mehr sagen die Zahlen dazu nicht.

Ein Mann wirft einen Geldschein in eine hölzerne Sadaqah-Box in einer Moschee, im Hintergrund sitzen Betende
Über alle 25 Sammlungen hinweg lag die mittlere Einzelspende bei 23 Euro.

Wer sich einzelne Fälle ansehen will: die Beerdigung von Bruder Kassim F. (4.201 Euro von 219 Menschen in 17 Stunden), die alleinerziehende Mutter aus Kerpen (4.149 Euro von 205 Menschen in gut drei Stunden), die Bestattung einer konvertierten Schwester ohne Familie und die Bestattung eines obdachlosen Muslims in Berlin.

So legst du die Sammlung auf commonsplace an

Die folgenden sieben Schritte sind unsere Erfahrung aus der Begleitung dieser Sammlungen. Sie sind keine gemessene Statistik, sondern das, was uns bei den Fällen aufgefallen ist, die gut liefen, und bei denen, die stockten.

Schritt 1: Kostenvoranschlag holen. Bevor du irgendetwas anderes tust. Ohne Zahl kannst du weder einen Antrag stellen noch um Hilfe bitten. Nenne anschließend genau die Summe, die im Voranschlag steht, auch wenn sie krumm ist. Eine gerundete Zahl wirft die Frage auf, ob überhaupt gerechnet wurde.

Schritt 2: Eine Person bestimmen, die verantwortet. Nicht die engsten Angehörigen. Wer gerade einen Menschen verloren hat, kann nicht nebenbei Nachfragen beantworten. Ein Cousin, ein Gemeindemitglied, ein Freund der Familie. Diese Person spricht mit dem Bestatter, verwaltet die Sammlung und gibt später Rechenschaft.

Hand hält ein Smartphone mit einer laufenden Sammlung auf commonsplace, im Hintergrund unscharf eine Familie am Esstisch
Beispielansicht einer laufenden Sammlung auf commonsplace.

Schritt 3: Projekt auf commonsplace anlegen. Das dauert ein paar Minuten, du brauchst dafür kein Konto bei einer Bank und keinen Verein im Rücken. Nenne die Summe offen und schreib dazu, woraus sie besteht: Bestatter, Grabstelle, Überführung. Die Aufschlüsselung beantwortet die Frage, die sonst jeder Einzelne stellen müsste.

Schritt 4: Einverständnis der Familie einholen. Name des Verstorbenen, Foto, Krankheitsgeschichte. Nichts davon gehört ohne ausdrückliche Zustimmung ins Internet. Frag konkret nach, was genannt werden darf.

Schritt 5: In den ersten 48 Stunden verbreiten. Verschick den Link im Familienchat, in der Gemeinde, im Vereinsverteiler, im Kollegenkreis. Bitte einzelne Menschen ausdrücklich darum, ihn weiterzuleiten, statt ihn nur einmal in eine große Gruppe zu stellen. Das ist unsere Erfahrung aus der Begleitung dieser Fälle; messen können wir es nicht, weil wir nur die Spenden sehen und nicht, wie der Link gewandert ist.

Schritt 6: Zwischenstände melden. Ein Satz nach jedem Viertel der Summe. Eine Sammlung, die tagelang stillsteht, wirkt wie eine, die niemand braucht.

Schritt 7: Abschluss und Nachweis. Wenn die Summe erreicht ist, sag es und schließ die Sammlung. Wer zu viel eingenommen hat, sagt offen, was mit dem Rest geschieht, zum Beispiel Grabpflege oder eine Sadaqah im Namen des Verstorbenen. Das Vertrauen, das du hier aufbaust, trägt beim nächsten Todesfall in der Gemeinde.

Wie du den Projekttext aufbaust, damit er wirklich gelesen wird, steht in unserem Leitfaden zur Projekterstellung.

Vier Fehler, die eine Sammlung ausbremsen

Zu spät gestartet. Nach zwei Wochen ist die Aufmerksamkeit weg und die Rechnung trotzdem da.

Keine Zahlen. „Wir brauchen Unterstützung für die Beerdigung“ bringt weniger als „Für die Überführung nach Marokko fehlen 2.300 Euro“.

Zu viele Verantwortliche. Wenn drei Personen dieselbe Sammlung betreuen, antwortet am Ende keine.

Kein Abschluss. Wer nie sagt, wie es ausging, macht es allen schwerer, die beim nächsten Todesfall in derselben Gemeinde um Hilfe bitten.

Ihr steht damit nicht allein

commonsplace steht mit mehreren islamischen Bestattungsinstituten in Deutschland in Kontakt. Wenn ihr nicht wisst, an wen ihr euch wenden sollt, sprecht uns an, bevor ihr irgendetwas unterschreibt. Wir helfen bei drei Dingen.

Die Kosten. Über die Gemeinschaft lassen sich die Summen, um die es hier geht, erfahrungsgemäß aufbringen, inschallah. Wie schnell, hängt daran, wie viele Menschen den Aufruf weitertragen.

Das Bestattungsinstitut. Nicht jeder Bestatter kennt die Anforderungen einer islamischen Bestattung, und manche rechnen Leistungen ab, die dabei gar nicht anfallen. Wir vermitteln an Häuser, die damit vertraut sind.

Die Überführung. Wenn der Verstorbene im Herkunftsland beigesetzt werden soll, hängt vieles an Papieren, Fristen und dem richtigen Ansprechpartner am Zielort. Auch dabei können wir über unser Netzwerk weiterhelfen.

Meldet euch über das Kontaktformular, am besten bevor ihr einen Bestatter beauftragt.

Wer nach dem Gesetz zahlen muss

Zwei Dinge werden hier oft verwechselt.

Die Bestattungspflicht regelt, wer die Beisetzung veranlassen muss. Sie steht in den Bestattungsgesetzen der Bundesländer, und die Einzelheiten unterscheiden sich. In der Regel trifft sie die nächsten Angehörigen in einer festen Reihenfolge, meist Ehepartner, dann Kinder, dann Eltern, dann Geschwister. Manche Länder ziehen den Kreis weiter und nennen auch Großeltern oder Enkel, andere knüpfen zusätzlich daran an, wer mit dem Verstorbenen zusammengelebt hat. Wer bestattungspflichtig ist, muss handeln, auch wenn er kein Erbe antritt. Welche Reihenfolge für euch gilt, steht im Bestattungsgesetz eures Bundeslandes.

Die Kostentragungspflicht liegt nach § 1968 BGB beim Erben. Wer das Erbe ausschlägt, ist von den Kosten befreit, die Pflicht zur Organisation bleibt aber bestehen.

Wichtig für Freunde, Nachbarn und Gemeindemitglieder: Wer aus persönlicher Verbundenheit einspringt, ohne rechtlich verpflichtet zu sein, hat später in aller Regel keinen Anspruch auf Erstattung durch das Sozialamt, weil § 74 SGB XII an die Verpflichtung anknüpft. Genau deshalb ist die Sammlung für Gemeinden oft der einzige gangbare Weg.

Muslimisches Gräberfeld auf dem Ostfriedhof in Leipzig mit Rasenflächen und einzelnen Grabsteinen
Das muslimische Gräberfeld auf dem Ostfriedhof in Leipzig. Foto: Cookroach, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Was das Sozialamt übernimmt, und was nicht

Der Anspruch steht in § 74 SGB XII und ist enger, als die meisten annehmen.

Ihn haben nur Personen, die zur Kostentragung verpflichtet sind, also in der Regel Kinder, Eltern oder Ehepartner. Voraussetzung ist, dass ihnen die Kosten wirtschaftlich nicht zuzumuten sind. Geprüft werden Einkommen und Vermögen der antragstellenden Person, nicht die des Verstorbenen.

Übernommen werden nur die erforderlichen Kosten einer sehr einfachen Bestattung. Grabstein, Trauerfeier und Überführung ins Ausland gehören nach der Praxis der meisten Ämter nicht dazu, und auch die Waschung durch die Gemeinde und das Kafn stehen nicht auf der Liste. Was im Einzelfall als erforderlich gilt, ist immer wieder Gegenstand von Sozialgerichtsverfahren, ein Widerspruch kann sich also lohnen.

Stell den Antrag trotzdem, und zwar so früh wie möglich, am besten vor der Beauftragung des Bestatters. Er kann später einen Teil zurückholen. Nur planen lässt sich damit nichts, weil die Entscheidung Wochen dauert.

Zwei Dinge noch, die häufig geprüft werden sollten, weil sie ohne Frist funktionieren: eine bestehende Sterbegeldversicherung und eine Beihilfe des Arbeitgebers. Beides ist selten, kostet aber nur einen Anruf. Das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen dagegen wurde 2004 abgeschafft.

Checkliste für die ersten drei Tage

  • Ordnungsamt anrufen und angeben, dass der Verstorbene Muslim war
  • Der Feuerbestattung schriftlich widersprechen
  • Bestatter beauftragen, der mit islamischen Bestattungen vertraut ist
  • Kostenvoranschlag schriftlich einholen, aufgeschlüsselt nach Posten
  • Klären, ob in Deutschland beigesetzt oder überführt wird
  • Eine verantwortliche Person für die Sammlung benennen
  • Einverständnis der Familie für Name und Fotos einholen
  • Sammlung anlegen und im engen Kreis verbreiten
  • Einzelne Menschen persönlich bitten, den Aufruf weiterzuleiten
  • Antrag nach § 74 SGB XII stellen, falls Angehörige bedürftig sind
  • Sterbegeldversicherung und Beihilfe des Arbeitgebers abfragen

Häufige Fragen

Wer muss die Beerdigung bezahlen, wenn kein Geld da ist? Zunächst der Erbe nach § 1968 BGB. Wird das Erbe ausgeschlagen, entfällt die Kostenpflicht, die Pflicht zur Organisation bleibt bestehen. Reicht das Vermögen nicht, kommt ein Antrag nach § 74 SGB XII in Frage. Weil dessen Bearbeitung Wochen dauert, überbrücken die meisten Familien die Frist mit einer Sammlung.

Wie schnell muss das Geld da sein? Nach islamischem Verständnis soll die Beisetzung innerhalb von zwei bis drei Tagen stattfinden. Die Bestattungsgesetze der Länder lassen mehr Zeit, in Nordrhein-Westfalen zehn Tage, in Bayern acht ohne Wochenenden. Kommt eine Vorkassenforderung des Bestatters dazu, gilt der engere Termin. Genau deshalb scheitern Anträge an der Frist, während Sammlungen sie oft halten.

Wie lange dauert so eine Sammlung wirklich? Von 25 ausgewerteten Bestattungssammlungen auf commonsplace war ein Viertel innerhalb von anderthalb Tagen abgeschlossen, die schnellste nach gut drei Stunden. In der Mitte lagen rund neun Tage, ein Viertel brauchte über einen Monat. Ausschlaggebend war weniger die Höhe der Summe als die Zahl der Menschen, die den Aufruf weitergetragen haben.

Übernimmt das Sozialamt auch die Überführung ins Herkunftsland? In der Regel nicht. Erstattet werden nur die erforderlichen Kosten einer einfachen Bestattung. Eine Überführung zählt nach der Praxis der meisten Ämter nicht dazu.

Darf ein Muslim eingeäschert werden? Nach islamischem Verständnis ist die Feuerbestattung nicht zulässig. In Deutschland kann sie trotzdem geschehen, wenn die Behörde die Bestattung von Amts wegen anordnet und über die Religionszugehörigkeit nichts bekannt ist. Deshalb ist der Anruf beim Ordnungsamt so wichtig.

Was kostet eine Überführung in die Türkei? Rund 2.000 Euro, weil dort keine Grabgebühren anfallen. Andere Zielländer liegen zwischen 2.000 und 5.000 Euro, abhängig von Entfernung und den Vorgaben des Ziellandes.

Darf ich Geld für eine Beerdigung öffentlich sammeln? Ja. Wichtig sind Transparenz darüber, wofür das Geld verwendet wird, und das Einverständnis der Familie für alle veröffentlichten Angaben.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich niemanden kenne? Sprecht commonsplace an, bevor ihr einen Bestatter beauftragt. Wir stehen mit mehreren islamischen Bestattungsinstituten in Deutschland in Kontakt, vermitteln an Häuser, die mit den Anforderungen vertraut sind, und helfen bei einer Überführung weiter.

Wie läuft eine islamische Bestattung ab? Die Grundzüge sind Waschung, Einhüllen in ein Leichentuch, das Totengebet und die Beisetzung nach Mekka ausgerichtet. Die Einzelheiten, etwa der genaue Ablauf der Waschung und die Anzahl der Tuchlagen, werden in den Rechtsschulen unterschiedlich beschrieben. Für den konkreten Fall ist der lokale Imam die richtige Adresse.

Was ist, wenn mehr Geld zusammenkommt als gebraucht wird? Sag offen, was mit dem Überschuss geschieht. Üblich sind Grabpflege, offene Rechnungen der Familie oder eine Sadaqah im Namen des Verstorbenen.

Zum Schluss

Das eigentliche Problem ist nicht die Summe, sondern die Frist. Eine Familie mit drei Wochen Zeit würde die meisten dieser Fragen selbst lösen. In drei Tagen schafft sie das nicht, und daraus entstehen Schulden, die jahrelang bleiben, oder eine Bestattung, die dem Verstorbenen nicht gerecht wird.

Wenn du gerade in dieser Lage bist, sind es zwei Anrufe und ein Link. Ruf das Ordnungsamt an und sag, dass der Verstorbene Muslim war. Hol den Kostenvoranschlag. Und leg die Sammlung noch am selben Tag an, statt zu warten, bis ein Amt entschieden hat. In den Fällen, die wir begleitet haben, waren es rund hundert Menschen mit gut zwanzig Euro, die das getragen haben.

Quellen und Recherche

  • Kosten: Aeternitas, Verbraucherinitiative Bestattungskultur, Kostenüberblick samt Friedhofsgebührendatenbank für rund 1.000 Städte und Gemeinden. Ergänzend Finanztip zu den Beerdigungskosten. Die Spannen in der Tabelle oben sind Erfahrungswerte aus Kostenvoranschlägen islamischer Bestattungsinstitute und liegen unter dem allgemeinen Durchschnitt, weil Trauerfeier und Grabgestaltung entfallen.
  • Eigene Auswertung: 25 Bestattungssammlungen auf commonsplace, ausgewertet am 15. August 2026 über die Projektdatenbank der Plattform. Erfasst wurden Zielsumme, eingegangene Summe, Zahl der Spenden sowie der Zeitraum von der Freischaltung bis zum Abschluss. Nicht mitgezählt sind Projekte, bei denen es nicht um Bestattungskosten ging, etwa eine Sadaqa Jariya im Gedenken an einen Verstorbenen.
  • Wer zahlen muss: § 1968 BGB, die Kosten der Beerdigung trägt der Erbe. Übernimmt das Sozialamt, gilt § 74 SGB XII, wonach die erforderlichen Kosten übernommen werden, soweit sie den Verpflichteten nicht zuzumuten sind.
  • Bestattungspflicht, Bestattungsfrist und Bestattung von Amts wegen: geregelt in den Bestattungsgesetzen der sechzehn Bundesländer, für Nordrhein-Westfalen im Bestattungsgesetz NRW: die Reihenfolge der Bestattungspflichtigen in § 4, die Ersatzvornahme durch die Ordnungsbehörde in § 7 und die Bestattungsfrist von zehn Tagen in § 13. Reihenfolge, Paragraphen und Fristen weichen von Land zu Land ab: In Bayern gilt seit der Novelle der Bestattungsverordnung im April 2021 eine Frist von acht Tagen, ohne Samstage, Sonn- und Feiertage. Die frühere Frist von 96 Stunden steht bis heute in vielen Ratgebern und gilt nicht mehr. Dass die Behörden bei einer Bestattung von Amts wegen überwiegend die Feuerbestattung wählen, weil sie günstiger ist, beschreiben die Ämter selbst, etwa das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin. Der bekannte Wille des Verstorbenen ist zu beachten, und genau deshalb muss die Religionszugehörigkeit aktenkundig werden.

Zur Sorgfalt: Bestattungsfristen, Ruhefristen, Friedhofsgebühren, die Reihenfolge der Bestattungspflichtigen und die Zuständigkeit für eine Bestattung von Amts wegen sind Ländersache und unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Die Angaben hier sind die Größenordnung, nicht der Bescheid deiner Gemeinde. Wie viele Verstorbene ins Herkunftsland überführt werden, wird nirgends zentral erfasst, deshalb steht dazu keine Zahl im Text.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog über die Stellen, an denen deutsches Recht und muslimische Praxis aufeinandertreffen. Für diesen Text hat er die Bestattungsgesetze der Länder, die Voraussetzungen des § 74 SGB XII und alle bisherigen Bestattungssammlungen auf commonsplace durchgesehen.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben in diesem Text wurden von einem Imam gegengelesen. Die Rechts- und Kostenangaben sind an den unten verlinkten Quellen geprüft; die Zahlen zu den Sammlungen stammen aus unserer eigenen Projektdatenbank und lassen sich dort nachrechnen.

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Dr. Ali Özgür Özdil 5 Min. Lesezeit

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